Willkommen zur mittlerweile siebenten Ausgabe von „Du willst also meinen Job?„.

„Du willst also meinen Job?“ ist eine Interviewserie mit Angestellten und Selbständigen aus allen möglichen Branchen, die eine Gemeinsamkeit haben: Sie lieben ihren Job.

Jeden Tag gehen sie in die Arbeit, und genießen was sie tun.

Jede Woche zeigt Dir einer meiner Gesprächspartner, wie das Leben in einer anderen Karriere für Dich aussehen könnte.

Im heutigen Interview spreche ich mit meinem Freund Casper Krarup, ein Chefkoch aus Dänemark. Casper hat schon in den großen Restaurants der dänischen Gastronomie mitgemischt und beeindruckendes geleistet.

Genug eingeleitet, lassen wir ihn nun selbst direkt zu Wort kommen 🙂

Du willst also meinen Job #7: Chefkoch mit Casper Krarup

Wann hast Du mit Deiner Karriere als Chefkoch begonnen?

2011 habe ich eine Lehre als Koch angefangen

Was hast Du bevor Deinem Job als Koch gemacht?

Ich bin sehr an Computern interessiert, weshalb ich mir ein paar Firmen im IT Bereich angeschaut hab. Das hat sich aber leider herausgestellt, dass es nichts für mich ist, denn wir haben nur Mikrochips zusammengelötet und uralte Windows 2000 Server aufgesetzt.

Danach habe ich immer wieder kleine Nebenjobs gemacht, bis ich drauf gekommen bin, meiner Leidenschaft in der Karriere nachzugehen.

Musst Du für Deinen Job viel Reisen, oder bist Du permanent in einer Stadt?

In der Vergangenheit durfte ich mehrmals Reisen.

2015 war ich Teil des Catering Teams beim 24-Stunden Rennens von Le Mans.

2400 Leute, vier Mal täglich, 8 Tage lang bedienen. 128 Arbeitsstunden waren das.

Ansonsten bin ich für meinen Job mehrmals mit dem Zug durch Dänemark gereist, aber nie allzu weit.

Hast Du schon für mehr als ein Unternehmen gearbeitet?

Jetzt arbeite ich in meinem sechsten Restaurant (unter Werkvertrag).

Von all den Dingen, an denen Du als Koch gearbeitet hast, auf was bist Du am meisten Stolz?

Ich war der hauptverantwortliche Koch beim Aufbau eines der extravagantesten Hotels in Dänemark. Ich habe dem Unternehmen den Weg geebnet, damit die Küche genau das werden konnte, was sie heute ist. Dieses Projekt war aber ein Sprung ins kalte Wasser, weshalb ich nicht lange geblieben bin. Ich habe den Arbeitsablauf in der Küche erstellt, die Angestellten des Hotels eingeschult, und auch die Grundlagen für den Style und die Gerichte auf der Speisekarte gelegt.

Wie schaut ein Arbeitstag für Dich aus?

Mein Tag beginnt um 11 Uhr, ich schaue nach ob an den Kochstationen in der Küche alle Zutaten vorhanden sind (Beilagen, Saucen, Kräuter, Brote, Teig etc.) und fülle den Vorrat auf.

Danach bereite ich die Heißstation vor, denn da machen wir all die Vorspeisen für das tägliche Menü.

Wenn das Mittagsmenü anfängt, wechsle ich an die Kaltstation.

Um 16:30 haben wir eine gemeinsame Mittagspause, in der wir dann auch Handys anwerfen dürfen, Nachrichten aufholen, uns entspannen.

Sobald es keine Bestellungen am Ende des Tages mehr gibt, säubern wir die Küche und beenden den Tag.

Wie viele Stunden am Tag arbeitest Du?

  • Mittwoch bis Freitag jeweils 11 – 23 Uhr
  • Am Samstag 8:30 – 23 Uhr
  • Am Sonntag 8:30 – 16:30

Jede zweite Woche habe ich deswegen Freitags + das ganze Wochenende frei.

Was magst Du an Deinem Job am liebsten?

Der Zusammenhalt mit meinen Kollegen.

Ich kenne sie in in- und auswendig, und sie mich genauso.

Die Aktivitäten als Koch selbst reizen mich nicht mehr so, aber ich liebe es weiterhin, den Kunden mit meinen Gerichten ein lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Wenn jemand ein Koch werden will, welche Fähigkeiten muss er dazu im vorhinein mitbringen?

Hingabe und Geduld. Bis man ein ausgelernter Koch ist, vergehen schon mal 4 Jahre. Danach wirst Du nochmal “Wiedergeboren”, denn danach geht das Leben als Koch erst richtig los.

Sobald Du ein Koch bist, wird es von Dir erwartet, dass Du den Lehrlingen alles beibringt. Jobsicherheit ist ein Fremdwort, Du kannst von Heute auf Morgen gekündigt werden.

Du musst jeden Arbeitstag ständig darüber Bescheid wissen, was in der Küche passiert. Du musst neue Menüs zusammenbasteln, die Dein Restaurant von der Konkurrenz hervorheben, damit die Kunden lieber zu Dir kommen.

Das alles ist auch nur ein Bruchteil vom ganzen, aber das sind natürlich Dinge die Du im Laufe der Zeit lernst, man erwartet nicht am Ende der Lehrzeit dass Du das alles kannst.

Ein größeres Problem stellen all die Erwartungen dar, die Du als Koch an Dich selbst hast.

Zu viele Leute vergessen, dass sie nicht mehr in ihrem alten Restaurant sind, wo sie die Arbeitsabläufe bereits kennen.

Du musst anpassungsfähig sein, denn jemand was beibringen während Du selbst dazu lernst, ist nicht einfach.

Was sollte man unbedingt beachten, wenn man sich dazu entschließt, ein Chefkoch zu werden?

Für 3 – 5 Tage die Woche ist Dein Job Dein Leben.

Du stehst auf – Du bereitest Dich für die Arbeit vor.

Du kommst heim – Du fällst ins Bett.

Aufgrund all der Arbeitsstunden ist es wahrscheinlich, dass Du einen Teil Deines jetzigen Freundeskreis verlierst. Sogar Deine Beziehung kann daran scheitern, wenn Dein Partner nicht hinter Deinem Job steht.

Klingt hart, warum hast Du Dich dann dafür entschieden?

Ich wollte schon immer Menschen etwas bieten können, an das sie sich im nachhinein mit einem lächeln im Gesicht zurückerinnern werden. Ja, es ist ein hartes Business, aber es ist sehr befriedigend.

Was ist das außergewöhnlichste, was Dir in diesem Job passiert ist?

Die Chance, in Frankreich beim Le Mans Rennen zu arbeiten. Ich habe diese Tage so hart gearbeitet, dass ich einen mentalen Status erreicht habe, den ich zuvor nie hatte. Ich war zum ersten mal im Flow. Zeit hatte jegliche Bedeutung verloren und ich war so energetisch, ich wusste echt nicht dass das in mir steckt.

Keine Droge könnte ein High wie dieses auslösen.

Wenn Du etwas neues für Deinen Job lernen musst, wie lernst Du es? Hast Du jemand der es Dir beibringt, oder bringst Du es Dir selbst bei?

Mein Boss zeigt es mir dann.

In den Medien liest man immer wieder darüber, wie stressig das Leben eines Chefkochs sein kann. Als jemand mit Jahren an Erfahrung in diesem Beruf, wie ist Deine Meinung dazu?

Das Klischee ist zum größtenteil übertrieben dargestellt, aber auch ich habe schon unter zu viel Stress in diesem Job gelitten. Zwei mal bin ich ausgebrannt.

Wie bekämpfst Du den Stress?

Zum einen Krafttraining im Fitnessstudio, das betreibe ich schon seit über zwei Jahren. Ansonsten gedankenlos vor dem Computer sitzen, z.B. diverse online Foren, Netflix etc.

Wenn ein WeWillWork Guerrillo als Quereinsteiger in die Welt der Chefköche einsteigen will, welchen Rat kannst Du ihm geben, damit er eine gute Chance hat den Job zu bekommen?

Wenn Du wirklich in diese Welt einsteigen willst, schau dass Du unbezahlte Praktika oder unbezahlte Schwarzarbeit in Restaurants bekommts, damit Du für Deinen Lebenslauf Erfahrungen sammelst. Gratis arbeiten ist mental und körperlich sehr hart.

13 bis 14 Stunden täglich zu arbeiten, um am Ende des Praktikums gesagt zu bekommen, dass man den Job nicht bekommt ist Herzzerreißend, aber es hat mir dabei geholfen, danach einen Job zu bekommen.

Erstellst Du die Rezepte für die Speisekarte selbst, oder habt ihr bereits ein vorgegebenes Menü?

Kommt ganz auf das Restaurant an.

Im Unternehmen in dem ich zuvor war, war ich für alles zuständig – Rezepte, Design des Essens auf den Tellern etc.

Im jetzigen Restaurant gibt das alles unser Chef vor.

Als Koch von Deinem Kaliber hast Du ja eine große Freiheit darüber, entscheiden zu können wo Du arbeiten möchtest. Wenn Dich ein Unternehmen anwerben will, worauf achtest Du bevor Du Dich entscheidest ob Du dort arbeiten willst?

Am wichtigsten sind die Atmosphäre im gesamten Restaurant, und wie sehr wir Angestellten wertgeschätzt werden. Wenn ich mich nicht mit den Kollegen verstehe, oder das Management es mir vorkommen lässt, als wäre meine Arbeit für sie selbstverständlich, habe ich kein Interesse dort zu sein. Ich arbeite gerne all die notwendigen Stunden, aber ich erwarte dass meine Arbeit dementsprechend wertgeschätzt wird.

Danke für das interessante Gespräch, Casper!

Hast Du noch weitere Fragen an ihn?

Hat Dich das Interview davon überzeugt, selbst ein Koch zu werden?

Hinterlasse Dein Feedback in den Kommentaren, und ich werde sie gerne an ihn weiterleiten!

-Daniel

PS: Ich suche ständig neue Interviewpartner für „Du willst also meinen Job?“! Hast Du Interesse, mir über Dein berufliches Leben zu erzählen? Dann schicke mir eine E-Mail über das Kontaktformular!

Trete jetzt der WeWillWork Guerilla bei, melde Dich für den Newsletter an!

About the Author:

Zwischen 2008 - 2015 gesamt drei Jahre arbeitslos gewesen. Zweifacher Auslandsösterreicher, arbeite momentan für Apple. 69 KG abgenommen, erweitere autodidaktisch ständig mein Wissen. Folge mir auf facebook: http://www.facebook.com/wewillworkat oder auf twitter: http://www.twitter.com/dmulec

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Jetzt Gefällt mir klicken!schliessen
oeffnen

Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen