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Du willst also meinen Job? #11 – Schmuckdesignerin, mit Barbara Fürlinger

Nach drei Wochen Pause gibt es wieder eine neue Ausgabe von „Du willst also meinen Job?“!

Für alle „Du willst also meinen Job?„-Neulinge:

Ich wünsche Dir ein ganz herzliches Willkommen! Du befindest Dich hier in einer Interviewserie mit Angestellten, Selbsständigen und Unternehmern, die alle eine große Gemeinsamkeit haben – Sie lieben das, was sie tun.

Jeden Tag stehen sie auf, und freuen sich auf ihren Job.

Sie leben ihre Leidenschaft.

Diese Artikelserie richtet sich an die unter euch, die bevor ihrer Arbeitslosigkeit bereits mit ihrem letzten Job unzufrieden waren. Die, die bemerkt haben, dass es Zeit für eine Neuorientierung ist. Zeit für einen Karrierewechsel.

Mit „Du willst also meinen Job?“ hast Du die Chance, zu sehen wie das Leben in einem für Dich interessanten Job aussehen kann.

In der heutigen Ausgabe habe ich Barbara Fürlinger in den Blog geholt, hauptberufliche Schmuckdesignerin, und Betreiberin des Online Shops „Selfesteem„, über den sie ihren Schmuck eigenständig vertreibt.

Du willst also meinen Job? #11 – Schmuckdesignerin, mit Barbara Fürlinger

Was macht ein Schmuckdesigner?

Ich entwerfe alles, worauf ich gerade Lust habe. Angefangen bei Armbändern und Halsketten, über Ringe und Ohrringe, hin zu Schlüsselanhängern, und sogar Buttons. Manchmal komme ich dabei ein wenig vom eigentlichen Schmuck ab, aber das macht mir gar nichts.

So bleibe ich kreativ und habe immer gute Ideen für neue Produkte.

Im weiteren Sinn wird dieser Schmuck dann natürlich angefertigt. Aus teilweise gar nicht so üblichen Materialien – denn bei Schmuck denkt man immer sofort an Edelmetalle und Steinchen.

Wie lange bist du schon Schmuckdesignerin?

Vorbereitet darauf habe ich mich über mehrere Jahre hinweg, 2013 ist es aber dann offiziell zu meinem Unternehmen geworden.

Wie hast Du ursprünglich zum Schmuckdesign gefunden?

Ausschlaggebend war für mich, dass ich selbst an einer lästigen Nickelallergie leide und mir selten bis nie Schmuck kaufen konnte, der mir auch gut gefallen hat. Echter Schmuck ist schön und gut, aber irgendwann wird es langweilig – und ich wollte Buntes, Ausgefallenes, Comicstyle!

So habe ich begonnen, mir ein Stück nach dem anderen selbst zu entwerfen, bis schließlich Freunde, Bekannte und am Ende das Internet auf mich aufmerksam geworden sind.

Dadurch, dass ich davor oft bei meinem zweiten Steckenpferd, dem Häkeln, danach gefragt worden bin, ob ich die kleinen Püppchen denn verkaufen würde, habe ich dieses Mal nicht lange gefackelt.

Heute verkaufe ich beides unter einem Label. 🙂

Hast Du vor Schmuckdesign etwas anderes gemacht? Wenn ja, warum hast Du Dich für den Wechsel entschieden?

Ich habe tatsächlich schon einige Berufe hinter mir, doch alle waren mir zu wenig kreativ. Darum habe ich angefangen, selfesteem zu gründen.

Bist Du festangestellt oder selbständig?

Selbständig.

Anfangs habe ich natürlich noch nebenbei auf Teilzeit gearbeitet, weil man schließlich nichts überstürzen möchte und keiner genau gewusst hat, wie das denn ankommen wird. Aber seit über einem Jahr kann ich nun schon mit Stolz behaupten, dass das zu meinem Hauptberuf geworden ist.

Wie sieht dein Arbeitstag aus?

Ich möchte nicht zu einem dieser Selbständigen werden, die spät nachts arbeiten und tagsüber nichts mehr vom sozialen Leben mitbekommen, haha. Daher bemühe ich mich darum, morgens mit meinem Freund aufzustehen und fange an, zu werkeln.

Das kann jeden Tag etwas anderes sein, woran ich arbeite – und gerade das ist auch das Spannende.

Heute entwerfe ich vielleicht neue Grafiken oder ein neues Design für den Shop, morgen mache ich Produktfotos und übermorgen wird Schmuck gemacht; und selbst da variiert von Tag zu Tag, was es hier zu tun gibt.

Fertigst Du den Schmuck selbst an, oder hast Du die Anfertigung outsourced?

Teils, Teils. Stücke, wie geschnittene Acrylformen lasse ich nach meinen Entwürfen anfertigen. Besonders in London sind viele Firmen ansässig, die solche Dienste anbieten. Außerdem biete ich eine Handvoll ausgewählte Produkte anderer Künstler – vorwiegend Zeichner – an, um sie dadurch zu unterstützen und ihnen zu mehr Bekanntheit zu verhelfen.

Welche Materialien verwendest Du für Deinen Schmuck?

Bei selfesteem wird mit den verschiedensten Materialien gearbeitet. Für die Anhänger wird zum größten Teil entweder Fimo, Acryl oder Kunstharz/Resin verwendet. Bei Cabochons werden relativ bruchsichere Glaskuppen verwendet – natürlich sind sie, wie auch andere stabile Materialien nicht gänzlich unsterblich. Uhren und Lederbänder beinhalten hauptsächlich Kunstleder, gehäkelte sowie gestrickte Stücke werden vorwiegend aus Wolle mit großem Polyesteranteil gefertigt.

Wie viel musst Du für Deinen jetzigen Job reisen?

Müssen ist relativ 😉 Wenn ich nicht wollte, könnte ich zu Hause bleiben und lediglich den Schmuck usw. machen, die Bestellungen einpacken und zur Post bringen. Ich habe mich dafür entschlossen, immer Mal wieder auf so genannte Anime, Manga und Comic Conventions zu fahren, um dort einen Verkaufsstand zu buchen und meine Sachen auch direkt zu verkaufen.

Dafür bin ich in der Regel ein bis dreimal im Monat in verschiedenen Städten unterwegs; außer zum Jahresende und -beginn hin, denn da gibt es kaum solche Veranstaltungen.

Da ist es zu kalt für Personen, die sich gerne verkleiden 😀

Woran hast du als Schmuckdesigner gearbeitet, auf das du wirklich stolz bist?

Genau genommen bin ich auf jedes Stück stolz, das sich gut verkauft. Jetzt aber, wo ich so darüber nachdenke, sind wohl meine Handschellenarmbänder und die Macaronketten das, worauf ich am meisten stolz bin; denn die sind seit Anbeginn des Shops zum Renner geworden

Was magst du an deinem Job am liebsten?

Dass ich neben dem Schmuckdesignen die Möglichkeit habe, Dinge zu vermarkten, die mir selbst sehr gut gefallen.

Was war das Außergewöhnlichste, was du in deinem Job erlebt hast?

Als mich jemand auf einer Convention darum gebeten hat, sie zu umarmen. Die Person hat danach angefangen zu weinen, weil sie so happy darüber war. Das ging mir wirklich nahe.

Wenn jemand in dein Berufsbild wechseln möchte, welche Fähigkeiten sollte die Person mitbringen?

Kreativ sein! Und ein bisschen Verständnis für administrative Dinge muss er auch mitbringen, da es in diesem Beruf letzten Endes auch um Buchhaltung, Preiskalkulation, Kundenkontakt etc. geht.

Gibt es irgendwas worauf der Interessierte bei der Wahl deines Berufsbilds achten sollte?

Im Prinzip ist es wichtig, sich nicht entmutigen zu lassen. Nicht alles, das man entwirft, kommt sofort gut bei den Kunden an. Manchmal braucht es außerdem ein paar Anläufe, bis die Dinge so werden, wie man es selbst möchte. Und auch nicht immer ist alles so einfach, wie man meinen möchte.

Ich biete zum Beispiel für manche Dinge die Vorbestellung an, um sie nicht ständig direkt nachmachen zu müssen, wenn sie einmal verkauft sein sollten; besonders bei Produkten, die noch nicht lange im Sortiment sind und wo ich nicht weiß, ob sie das auch lange sein werden.

Nun ist es schon ein paar Mal passiert, dass ich mir einen schönen Abend machen wollte und plötzlich Unmengen an Bestellungen dafür eingehen, weil es die Leute einfach großartig fanden. Ich natürlich auch – aber dafür konnte ich mich auch gleich wieder hinsetzen und loswerkeln. 😀

Warum hast du dich für dieses Berufsbild entschieden?

Weil es Abwechlsung bietet, wirkliche Abwechslung. Nicht, wie in einem herkömmlichen Einzelhandel, wo jeder Kunde womöglich einen anderen Wunsch hat, den man ihm erfüllen soll.

Da ich mein eigener Chef bin, kann ich wortwörtlich tun und lassen, was ich möchte; und wenn ich Lust darauf habe, eine völlig verspielte Schmuckkollektion zu machen, bei der es Regenbogen mit Gesichtern geben soll, dann kann ich direkt loslegen, ohne dass mir wer den Vogel zeigt.

Ob es sich dann verkauft oder nicht, damit muss mich dann alleine ich rumschlagen.

Wird für Deinen Job ein gewisser Bildungsgrad vorausgesetzt, oder kann man auch als Quereinsteiger erfolg haben?

Nein, jeder, der kreativ ist, und auch wirklich Erfolg haben möchte, kann das auch schaffen.

Man muss bloß über eine abgeschlossene (vorzugsweise kaufmännische) Berufsausbildung, oder über Matura (Abitur in Deutschland) verfügen und dann ist auch rechtlich alles abgesegnet.

Konntest Du aus den Jobs bevor selfesteem Dinge lernen, die Du jetzt in der Selbständigkeit anwendest?

Durchaus. Kaum eine Person schafft es, sich aus dem Nichts heraus in die Selbstständigkeit. Ich finde ja, man lernt in den Alltagsjobs, die man davor (wohl oder übel) machen muss, all die wichtigen Dinge, die man in der langjährigen Theorie eines Studiums oder einer Lehrlingsausbildung nie verinnerlichen wird.

Kundenkontakt – oder etwa, wie man auf einen wütenden Kunden reagiert, sich wörtlich richtig zu artikulieren, die vielen administrativen Dinge, die dabei bedacht werden müssen – alles das, oder zumindest das meiste, habe ich durch vorherige Jobs im Einzelhandel, Büro und in der IT gelernt.

Durch selfesteem lerne ich nun zusätzlich, dass alles möglich ist, wenn man mit vollem Herzen dahinter steht. Denn das Gefühl, diese Freude an der Sache, spüren auch die Kunden.

Welche kreativen Dinge hast Du in der Freizeit gemacht, bevor Du selfesteem gestartet hast?

Ich liebe die Fotografie und das Webdesign. Im Prinzip tobe ich mich hier schon seit frühem Alter an aus; mit 8 Jahren etwa habe ich das Internet für mich entdeckt. Als ich 12 geworden bin, hat für mich eins zum anderen geführt und schon früh ist mir klar geworden, dass doch so viel mehr möglich sein müsste, als bloß so einen 0815 Verkäuferjob zu haben.

Hast Du am Ende des Tages noch kreative Energie für Hobbies übrig, oder lebst Du Deine Kreativität derzeit komplett mit selfesteem aus?

Nein, tatsächlich schreibe ich nach der Arbeit oft Kurzgeschichten – oder ich blogge, fotografiere, bearbeite die gemachten Fotos anschließend, und präsentiere sie auf meinem Blog oder tobe mich in Webdesign aus.

Nur selten mache ich eigentlich etwas, bei dem ich völlig abschalte und dann halte ich das meist nie lange durch… Außer vielleicht beim Lesen. 🙂

Selbst bei einem Urlaub bin ich ständig auf der Suche nach schönen Fotomotiven.

Auf welchen Conventions kann man Dich im Rest von 2016, und 2017 antreffen?

Ganz oft zieht es mich in nächster Zeit noch nach Deutschland, aber im November findet in Wien die VIECC statt, bei der ich aller Voraussicht nach dabei sein werde. Die Chancen stehen auch für die AniNite im August sehr gut, dass ich dabei sein werde.

Fix stehen bereits die Nippon Nation im Juli in Wien, die AkiCon im Oktober in Graz und die Vienna Comix, ebenfalls im Oktober, in Wien.

2017 kann ich leider noch gar nicht sagen, da die Anmeldezeiträume meist erst ein halbes Jahr vor der Convention geöffnet sind, daher steht es auch bei den beiden erstgenannten noch nicht fest. 🙂

Vielen lieben Dank für das spannende Interview, Barbara!

Hast Du noch weitere Fragen an Barbara?

Hinterlasse Deine Fragen in den Kommentaren zum heutigen Interview, sie wird Dir liebend gerne darin antworten!

Schau Dir ihren selbstgemachten Schmuck in ihrem Shop an!

Und schau natürlich auch auf ihrem Blog vorbeia decent daydream

-Daniel

About the Author:

Zwischen 2008 - 2015 gesamt drei Jahre arbeitslos gewesen. Zweifacher Auslandsösterreicher, arbeite momentan für Apple. 69 KG abgenommen, erweitere autodidaktisch ständig mein Wissen. Folge mir auf facebook: http://www.facebook.com/wewillworkat oder auf twitter: http://www.twitter.com/dmulec

2 Kommentare

  1. Babsi 10. Juli 2016 um 15:21 Uhr - Antworten

    Vielen Dank nochmal für das Interview! 😀 Hat wirklich viel Spaß gemacht.

    • Daniel Mulec 10. Juli 2016 um 16:05 Uhr - Antworten

      Immer gerne, Babsi! Mir auch, würde mich sehr freuen, wenn sich in Zukunft wieder was ergibt 😄

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