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Da sind wir wieder bei einer neuen, sehr spannenden Ausgabe von „Du willst also meinen Job?„.

„Du willst also meinen Job?“ ist eine Interviewserie mit Angestellten und Selbständigen aus allen möglichen Branchen, die eine Gemeinsamkeit haben: Sie lieben ihren Job.

Jeden Tag gehen sie in die Arbeit, und genießen was sie tun.

Jede Woche zeigt Dir einer meiner Gesprächspartner, wie das Leben in einer anderen Karriere für Dich aussehen könnte.

Jetzt sind wir schon im achten Interview, ein echter Wahnsinn!

Im heutigen Beitrag habe ich die Ehre, Tom Noeding zu interviewen. Tom ist ein Urgestein der deutschen Community, bzw. Social Media Branche. Seit über 10 Jahren in der Digitalbranche aktiv, ist Tom ein Experte mit einer unvergleichlich spannenden Geschichte.

Privat ist Tom auch auf der selben Mission, wie ich es mit WeWillWork bin. Als Referent an der Volkshochschule Frankfurt hilft er Menschen aus allen Lebenslagen dabei, ihre Leidenschaft für Social Media in einer Karriere umzusetzen.

Ein Einsatz, wofür er den höchsten Respekt verdient hat.

Na dann, lassen wir Tom zu Wort kommen!

Du willst also meinen Job? #8: Social Media Manager, mit Tom Noeding

Welchen Job hast du?

Ich kümmere mich bei Der Touristik Online Gmbh in der Abteilung Online Marketing um die Themen Social Media und Community. „Kümmern“ heißt dabei konkret, dass ich – meist im Team – Strategien und Konzepte entwickle und diese dann auch umsetze.

Das kann dann auch mal bedeuten, dass ich vorübergehend in den Projektleiter-Modus wechsele.

Auf jeden Fall bleibt es in meinem Job stets spannend und abwechslungsreich.

Wie lange bist Du schon Social Media Manager?

Am Stück gerechnet jetzt seit gut zehn Jahren. Allerdings gab es zwischendrin immer wieder kleinere Unterbrechungen – aber das bringt die Digitalbranche so mit sich.

Wenn du etwas anderes zuvor gemacht hast, warum hast du davon in den jetzigen Job gewechselt?

Ich bin Jahrgang 1967 und habe das Internet seit seinen Anfangstagen aktiv miterlebt. Als ich die ersten eigenen Chatforen und Mailinglisten so um 1997 herum aufgebaut und betrieben habe, gab es noch keine Jobs für mich.

Ich hatte noch nicht mal die Idee, dass ich jemals in diesem Bereich arbeiten würde.

†Zu dem Zeitpunkt war ich Angestellter einer Frankfurter Zeitarbeitsfirma, und wurde als „EDV-Sachbearbeiter“ in verschiedene Banken und Firmen geschickt.

Damals lag mein Fokus weniger auf Karrierebestrebungen als vielmehr auf meinen vielfältigen Freizeitprojekten.

So habe ich mehrere Jahre eine eigene Radioshow namens „Tom’s Playground“ auf Radio X moderiert.

Daneben habe ich subkulturelle Parties und Konzerte in Frankfurt und Offenbach organisiert. Da es sich bei diesen Veranstaltungen fast ausschließlich um nichtgenehmigte Events handelte, konnte ich die nicht öffentlich bewerben.

Stattdessen habe ich früh damit begonnen, eine Mailingliste aufzubauen.

Da unter den Abonnenten eben dieser Liste namens „tresurbain“ (Kunstwort/Eigenname ohne spezifische Bedeutung) jede Menge Vertreter der Frankfurter „Kreativeszene“ (sprich: Werber) unterwegs waren, dauerte es nicht lange, bis ich irgendwann im Dezember 2000 eine Jobempfehlung für die Stelle eines „Community Manager“ für ein Veranstaltungsportal namens „Bewegungsmelder.de“ erhielt.

So landete ich Anfang 2001 auf dem Höhepunkt der so called „New Economy“ zum ersten Mal in der Digitalbranche. Doch dieses Engagement währte nicht lange, denn bereits wenige Monate später platzte die Dotcom-Blase und dann war erst mal wieder Schluss. Doch ich hatte Blut geleckt und wollte im Onlinebusiness weitermachen.

Hast du in verschiedenen Firmen gearbeitet?

Oh ja, in sehr vielen Firmen sogar. Wer mal einen Blick auf mein XING-Profil werfen mag, der wird dort einige Stationen in meiner Patchwork-Biografie vorfinden. Es war ein stetiges Auf- und Ab.

Nicht immer lief es rund im Job, manchmal war es hingegen grandios. Jedenfalls wurde es mir niemals langweilig und ich habe viele nette Kollegen, neue Branchen und Arbeitgeber kennengelernt. Über die Jahre hat sich so – ganz nebenbei – ein großes Netzwerk entwickelt.

Wie viel musst du dafür reisen?

In 2006 habe ich mal für einen Monat in Hamburg gearbeitet und in den Jahren 2013 und 2014 pendelte ich täglich zwischen Frankfurt und Heidelberg zu Verivox, dem Stromvergleichsportal, für das ich in diesem Zeitraum tätig war.

Doch ansonsten, und auch nach wie vor arbeite ich in meiner Heimatstadt Frankfurt am Main. Ehrlich gesagt habe ich auch keinerlei Ambitionen, von hier wegzuziehen.

Meine Frau arbeitet ebenfalls hier und wir haben einen Sohn, der die zweite Klasse der Grundschule besucht. In dieser Lebensphase ist man einfach bodenständiger unterwegs. Zumindest gilt das für mich und meine Familie.

Doch ich erinnere mich noch gut an frühere Jahre, wo ich oft davon geträumt hatte, für so ein Startup in Berlin oder anderswo in Deutschland oder gar im Ausland zu arbeiten. Doch da war auch viel unrealistisches Wunschdenken mit im Spiel.

Woran hast du in deinem Beruf gearbeitet, worauf du stolz bist?

Ich arbeite nach wie vor an unterschiedlichen Projekten und beziehe aus der täglichen Auseinandersetzung mit Social Media die nötige Befriedigung im Job.

Doch in der Tat gab es da mal eine berufliche Station, die mich außerordentlich herausgefordert und begeistert hat: Meine Jahre bei evangelisch.de.

Letztlich waren es nur drei Jahre, doch die waren sehr intensiv und abwechslungsreich.

Evangelisch.de war und ist bis heute das Nachrichtenportal der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das Portal wurde im Herbst 2009 gestartet und ich war von Anfang an damit betraut, eine Community innerhalb der Plattform aufzubauen.

Ich hatte vorher noch nie für eine kirchliche Organisation gearbeitet – alleine das war schon spannend. Mal so hinter die Kulissen des „Apparates“ blicken zu können und ja, natürlich auch selbst ein Teil davon zu sein.

Diese religiösen Zirkel, das ist wie eine Parallelgesellschaft mit ganz eigenen Regeln. Okay, ich rede hier nicht über eine Sekte sondern über die dominierende Glaubens- und Wertegemeinschaft in Europa. 😉

Ich war insbesondere in den Jahren 2010 und 2011 häufig unterwegs in Deutschland und habe unzählige Vorträge gehalten; in Gemeinden, auf evangelischen Fachtagungen und auf Konferenzen und Barcamps.

Viele fanden das spannend, dass sich nun ausgerechnet die Kirche ins vielzitierte „digitale Neuland“ wagt. Besonders NGOs und Verbände waren sehr wißbegierig.

So wurde ich zum gern gesehenen Gast auf deren Veranstaltungen.

Die Community auf evangelisch.de taugte allerdings nicht wirklich als „Best Practice Case“ und floppte sehr bald.

Es gab faktisch kein Marketingbudget, das meiste Geld floss in die Entwicklung der Plattform. Nach dem Ende der Community suchte ich mir zügig einen neuen Arbeitgeber.

Heute liegt mein Büro direkt gegenüber meiner alten Wirkungsstätte und gelegentlich treffe ich noch frühere Kollegen mittags beim Asiaten.

Wie sieht dein Arbeitstag aus?

Aktuell startet mein Tag um 9:30 Uhr mit einem „Daily Stand-up Meeting„. Da trifft sich unser Projektteam um sich kurz gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen; also woran wer gerade arbeitet und wo es eventuell sog. „Impediments“ gibt, die die Arbeit behindern.

Diese werden idealerweise vom Product Owner aus dem Weg geräumt.

Eine solche Vorgehensweise und das dazugehörige Wording entstammt dem agilen Entwicklungsumfeld (Stichworte: Scrum, Kanban, Lean Startups) und hat sich inzwischen auch bei uns im Unternehmen bewährt.

Besser ein tägliches aber dafür nur kurzes Stand-up als diese ermüdenden teils mehrstündigen Meetings.

Eine feste Agenda gibt es bei uns nicht.

Es finden viele Meetings über den Tag verteilt statt und es sind am laufenden Band Mails zu bearbeiten.

Das kennt man ja auch aus anderen Tätigkeitsfeldern. Für die konzeptionelle Arbeit bleibt leider oft nicht soviel Zeit, da es ständig Unterbrechungen gibt. Am besten konzentrieren kann ich mich am späteren Nachmittag, wenn es etwas ruhiger geworden ist.

Wenn ein WeWillWork Guerrillero ein Social Media Manager wie Du werden will, welche Fähigkeiten sollte er mitbringen?

Der aus meiner Sicht wichtigste Faktor ist die eigene Begeisterung für Social Media und eine natürliche Neugierde für alles, was sich im weiten Feld der digitalen Medien und Technologien abspielt.

Es reicht nicht, sich ein paar Bücher über Facebook & Co. reinzuziehen (die sind ja oft schon bei Drucklegung veraltet) oder irgendwo einen Zertifikatskurs zu belegen. Letzterer macht sich zwar gut im Lebenslauf, doch wenn die Erfahrung im alltäglichen Umgang mit Social Media fehlt, wird es schwierig.

Darüberhinaus ist es natürlich von großem Vorteil, wenn man möglichst viele Aspekte des klassischen Kompetenzmodells in sich vereinen kann.

Das Kompetenzmodell fasst die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Eigenschaften sowie das Wissen zusammen, das Social Media Manager benötigen, um bestmögliche Leistungen zu erbringen. Dazu zählen fachliche, methodische, persönliche und soziale Kompetenzen ebenso wie Leadership-Skills.

Gibt es irgendwas worauf der Interessierte bei der Wahl deines Berufsbilds achten sollte?

Für Ein- bzw. Umsteiger bietet es sich an, in einer Digital-Agentur anzufangen, wo man in kurzer Zeit viel lernen kann, da Agenturen viele Kunden aus unterschiedlichen Branchen und mit unterschiedlichen Anforderungen betreuen.

Nicht jedem liegt allerdings die Hektik und der oft enorme Termindruck, der im Agenturgeschäft üblich ist. Wenn man es dort jedoch eine Zeit lang ausgehalten hat, ist man bestens gerüstet und kann sich neuen Herausforderungen widmen, entweder in der Selbstständigkeit oder als Social Media Manager in Unternehmen.

Der Bedarf an ausgebildeten Fachkräften steigt stetig.

Warum hast du dich für dieses Berufsbild entschieden?

Es war anfangs keine bewusste Entscheidung. Ich bin ja – wie bereits beschrieben – ein Quereinsteiger, der eher durch glückliche Umstände in die Branche gerutscht ist. Doch wenn ich länger darüber nachdenke, dann habe ich letztlich mein Hobby zum Beruf gemacht und dann sieht es auch garnicht mehr so stark nach „Zufall“ aus, sondern eher nach Bestimmung.

Was magst Du am Job des Social Media Managers am liebsten?

Die Abwechslung und dass es mir nie langweilig wird.

Geradezu täglich passiert etwas Neues:

  • Es kommen immer irgendwelche Updates auf Social Media Plattformen
  • Neue Apps und Zusatzdienste werden veröffentlicht, mit deren Features und Auswirkungen man sich dann auseinandersetzen kann.

Social Media verändert natürlich auch unsere Gesellschaft, und polarisiert sie in Teilen sogar. Man teilt als Social Media Worker also die Gewissheit, dass man ein Teil einer Bewegung ist.

Das ist schon ein tolles Gefühl und es gibt über’s Jahr verteilt neben der re:publica, der DMEXCO, der OMR Expo und dem CommunityCampBerlin ja auch genügend Gatherings, auf denen man Gleichgesinnte treffen kann.

Ganz nebenbei bemerkt, kann man in der Digitalwirtschaft auch gutes Geld verdienen – immer noch 😉

Was war das Außergewöhnlichste, was Du als Social Media Manager erlebt hast?

Die acht Monate, die ich im Jahr 2008 für das US-Startup MOLI.com zwischen Frankfurt, London und West Palm Beach als Community Manager gependelt bin.

Der Job war eine einzige wilde Achterbahnfahrt.

Ich habe seither niemals mehr in so kurzer Zeit so viel Endorphin ausgeschüttet. Damals dachte ich, jetzt geht es nur noch steil nach oben, doch dann kam die große Finanzkrise. Von einem auf den anderen Moment sind die Investoren ausgestiegen, und die Büros in Frankfurt am Main und London wurden dicht gemacht.

Nur wenige Wochen später war auch das HQ in Florida dran und MOLI.com damit Geschichte.

So schnell kann’s eben manchmal gehen.

Ein Gutes hatte diese Situation: Kurz nach dem Jobverlust nutzte ich meine verbliebene Energie und gründete den Bundesverband Community Management e.V. – kurz BVCM.

Den gibt es auch heute noch – und er hat sich zu einer anerkannten Interessenvertretung für Social Media und Community Professionals entwickelt. Dieser Samen ist also aufgegangen 😃

Wie sieht die konzeptionelle Arbeit für einen Social Media und Community Manager aus? Was fällt alles darunter?

Am Anfang steht immer die Entwicklung einer Social Media Strategie. Daran arbeitet man für gewöhnlich im Team mit Kollegen aus den relevanten Fachbereichen, z.B. Unternehmenskommunikation, Marketing, Kundenservice und Vertrieb.

Dann macht man eine Wettbewerbsanalyse, um zu prüfen, ob und wie die Mitbewerber bereits im Social Web aufgestellt sind.

Daraus lassen sich später eventuell Best Practice Cases für die eigene Arbeit ableiten. Allerdings sollte man nicht einfach nur der Konkurrenz nacheifern, sondern vielmehr seinen ganz eigenen Stil entwickeln, der einen klar vom Wettbewerb abhebt und unterscheidbar macht.

Oft muss man parallel zur konzeptionellen Arbeit auch noch die benötigten Social Media Tools evaluieren und lizensieren. Da ist man dann häufig mit budgettechnischen Aufgaben und Fragen zur technischen Abwicklung konfrontiert.

Nachdem man aus den Unternehmenszielen die Ziele für die Social Media Strategie abgeleitet hat, gilt es im nächsten Schritt, die passenden Zielgruppen zu ermitteln.

Das geschieht idealerweise auf Basis von bereits vorhandenen Personas.

Das sind Nutzermodelle, die Personen einer Zielgruppe in ihren Merkmalen charakterisieren.

Dann werden die passenden Social Media Kanäle für die jeweiligen Zielgruppen ermittelt und die Präsenzen eingerichtet – sofern noch nicht vorhanden. Parallel dazu beginnt bereits eine grobe Themenplanung für die nächsten 4-6 Monate. Auch das macht man natürlich nicht im Alleingang, sondern hier zieht man die Ansprechpartner aus den entsprechenden Fachbereichen hinzu, die ja i.d.R. wissen, welche saisonalen Highlights, Termine und Kampagnen demnächst anstehen.

So befüllt man langsam aber sicher seinen Redaktionskalender und ab dem offiziellen Startdatum reichert man das dann mit den entsprechenden Inhalten an, die es zuvor zu entwickeln gilt. Und so weiter und so fort…

Die einzelnen Kanäle zu moderieren und zeitnah auf Beschwerden oder Serviceanfragen zu antworten ist natürlich ebenfalls wichtig, doch um überhaupt eine stabile Nutzerbasis aufzubauen, benötigst du attraktive Inhalte – und zwar kontinuierlich. Das ist die größte Herausforderung und dazu braucht es Leute, die ein Gespür für spannende Themen haben, Formate entwickeln und response-starke Texte schreiben können.

Hast Du weitere Fragen an Tom?

Wirst Du Dich zum Social Media Manager umorientieren?

Hast Du vor der Arbeitslosigkeit bereits als Social Media Manager gearbeitet?

Stell Deine Fragen direkt unterhalb des Artikels in den Kommentaren, oder mich Deine Meinung wissen!

Toms online Profile findest Du auch auf https://about.me/roquane

-Daniel

PS: Ich suche ständig neue Interviewpartner für „Du willst also meinen Job?“! Hast Du Interesse, mir über Dein berufliches Leben zu erzählen? Dann schicke mir eine E-Mail über das Kontaktformular!

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About the Author:

Zwischen 2008 - 2015 gesamt drei Jahre arbeitslos gewesen. Zweifacher Auslandsösterreicher, arbeite momentan für Apple. 69 KG abgenommen, erweitere autodidaktisch ständig mein Wissen. Folge mir auf facebook: http://www.facebook.com/wewillworkat oder auf twitter: http://www.twitter.com/dmulec

Ein Kommentar

  1. […] bekomme ich durch meine Aufgaben in den Bereichen Social Media und Community […]

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