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Gastartikel: Arbeitstrainung und Beihilfe für Arbeitserprobung beim AMS (Österreichisches Arbeitsamt)

Der heutige Artikel ist ein Gastartikel der fantastischen Christina Seitz, freie Journalistin (schreibt unter anderem für mokant.at), die momentan auf der Suche nach einer Festantellung ist.

Möchtest Du auch einen Gastartikel auf WeWillWork veröffentlichen? Lies hier die Vorraussetzungen dazu!

Dieser Artikel von ihr spezifiziert sich auf die neuen Möglichkeiten beim österreichischen Arbeitsamt, ein ausführliches Praktikum während der Arbeitslosigkeit zu machen.

Die Informationen aus dem Artikel lassen sich aber auch auf Deutschland und die Schweiz übertragen – Frag einfach Deinen Betreuer im Jobcenter, welche Praktikamöglichkeiten für Dich existieren!

Na dann, genug vom Intro.

Christina, Du bist dran!

Unbezahlte Praktika, die du bis dato nur annehmen konntest, wenn du anderweitig für den Lebensunterhalt gesorgt hast, sind nun eine reelle Option.

Die dadurch entstandene Doppelbelastung durch „Zweit-Jobs“ verringert sich. Existenz-Ängste werden gemindert und das Stellenangebot wächst. Initiativbewerbungen bei attraktiven Arbeitgebern, die sich vielleicht keinen zusätzlichen Mitarbeiter leisten können, werden nicht auf Grund eines finanziellen Aspekts abgeschmettert.

Vorbei sind die Zeiten, in denen du eine spannende aber einkommenslose Stelle nicht antreten konntest, weil von Luft und Liebe weder die Miete bezahlt noch der Magen gefüllt werden kann.

Vor Allem Akademikern müssten die, in diesem Absatz beschriebenen, Umstände bekannt vorkommen.

Nur allzu oft werden Absagen an gut ausgebildete Arbeitssuchende ausgeschickt, mit der Begründung der fehlenden Praxiserfahrung. Diesem Tenor kann nun etwas entgegengehalten werden. Mit den Worten: „Stell mich ein, ich koste dir nichts, ich kann aber ohne Sorgen leben“, geht es sich viel leichter in ein Bewerbungsgespräch.

Ein Zugeständnis an die Arbeitssuchenden

Das Jahr 2016 hat in Österreich nicht nur lohnsteuerrechtliche Veränderungen gebracht. Auch für Arbeitssuchende gibt es eine Neuerung: Das sogenannte Arbeitstraining oder auch Beihilfe für Arbeitserprobung gibt es seit dem 1. Jänner 2016.

Dabei richtet sich diese Form der Unterstützung des Arbeitsmarktservice (AMS) an Personen, die zwar eine einschlägige Ausbildung hinter sich haben, aber noch keine relevante Arbeitserfahrung sammeln konnten.

Die Einführung dieser Maßnahme hat für Arbeitssuchende sehr viele Vorteile, ist aber auch wie zahlreiche andere Beihilfen an bestimmte Voraussetzungen geknüpft.

Ob du nun Anspruch auf Arbeitstraining beziehungsweise auf Beihilfe für Arbeitserprobung hast und welche Rahmenbedingungen gegeben sein müssen und wieviel Geld dir zusteht und wie lange. All diese brennenden Fragen beantworten wir dir hier.

Wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen Arbeitserprobung und Arbeitstraining?

Eine Arbeitserprobung hat zum Ziel, dass die Eignung eines potentiellen Angestellten für eine bestimmte Stelle geprüft wird. Es wird eine Festanstellung angestrebt. Beim Arbeitstraining ist das anders. Hier hast du die Möglichkeit in zwölf Wochen beziehungsweise drei Monaten bestimmte branchenrelevante Aufgaben „durchzuspielen“. Das Ziel ist, dich für den Arbeitsmarkt „aufzuwerten“.

Der Mehrwert der Praxiserfahrung

Kann davon ausgegangen werden, dass jeder ein Recht auf ein Arbeitstraining hat? Dem ist zu widersprechen.

Um es mit den Worten einer AMS-Betreuerin zu sagen: „Sie können nicht einen Abschluss in Maschinenbau haben und dann ein Arbeitstraining im Nagel-Design absolvieren wollen.“

Dieser saloppe Satz beschreibt ziemlich genau, an wen sich das Arbeitstraining richtet. Der einschlägig ausgebildete Arbeitssuchende soll mittels des Arbeitstrainings fehlende Arbeitserfahrung generieren. Personen, die eine theorielastige Ausbildung absolviert haben, und denen währenddessen die Zeit für praktische Erfahrung fehlte, können diesen „Mangel“ ausgleichen. Die Chance, vermittelt zu werden, steigt.

Das Arbeitstraining könnte auch als eine Art „Fuß-in-der-Tür-Strategie“ bezeichnet werden. Wenn du in das angestrebte Berufsfeld hineinschnupperst, besteht die Möglichkeit, dass du branchenrelevante Kontakte knüpfen kannst.

Vielleicht resultiert aus einer guten Absolvierung des Arbeitstrainings, eine Fixanstellung im selben Unternehmen?

Die theoretisch gut ausgebildete Person ist in Beschäftigung und erlebt Praxiserfahrung im erlernten Berufsfeld. Es kommt also zu einer Aufwertung des Einzelnen. Von den persönlich-empfundenen Nebeneffekten ganz abgesehen.

Zusammengefasst bedeutet das: Schwer vermittelbare Arbeitssuchende, mit Ausbildung und ohne Arbeitserfahrung können durch diese Maßnahmen besser in die Arbeitswelt integriert werden.

Doch auch das AMS profitiert von dieser neuen Regelung. Eine zeitlich begrenzte Investition in die Erweiterung des Kompetenzenhorizontes eines Arbeitssuchenden, hat im Idealfall eine nachhaltige Wirkung. Die nicht ganz uneigennützige Entscheidung des AMS zu dieser Maßnahme, beinhaltet die Hoffnung, die Arbeitslosenzahlen zukünftig zu verringern.

Ohne Moos viel los

Besonders wichtig zu wissen ist, für dich dass die Beihilfe nur bewilligt wird, wenn die angenommene Stelle komplett ohne Entlohnung ist. Niedrig entlohnte Arbeit wird nicht unterstützt.

Das heißt, das AMS übernimmt nicht die Differenz zur Deckung des Lebensunterhaltes. Würde dir der Arbeitgeber also im Monat nur einen Euro zahlen, wäre die Bewilligung des Antrags auf Beihilfe nicht möglich.

Gemäß dem Fall, dass eine Stelle mit niedriger Entlohnung zur Wahl steht, kannst du im Gespräch mit dem potentiellen Arbeitgeber vielleicht eine Lösung finden.

Wie wäre es mit einem ehrlichen und direkten Nachfragen auf den Verzicht von Entlohnung, um im Gegenzug die Beihilfe vom AMS zu erhalten?

Erfolgreiche Antragstellung?

Nachdem die Voraussetzungen geklärt sind, stellt sich immer noch die Frage, wie die Antragstellung von Statten geht und wieviel Förderung vorgesehen ist.

Die Förderungsmaßnahme ist zunächst an ein persönliches Gespräch mit deinem zuständigen Betreuer beim AMS gebunden. Dabei legst du deinen Arbeitsvertrag mit dem zukünftigen Arbeitgeber vor. Die weiteren Schritte werden von deinem Betreuer selbst veranlasst.

Wesentlich zu beachten ist hierbei, dass die Arbeitserprobung auf vier Wochen und das Arbeitstraining auf zwölf Wochen beschränkt ist. Das solltest du im Vorhinein mit dem Arbeitgeber abgeklären, damit es zu keinen bösen Überraschungen kommt.

Wenn deinem Antrag auf Beihilfe stattgegeben wird, erwartet dich eine monatliche finanzielle Unterstützung, die sich mindestens an der Höhe des Arbeitslosengeldes beziehungsweise der Notstandshilfe orientiert. Außerdem sind du und alle anderen Beihilfenbezieher sozialversichert. Was beinhaltet die Förderung des AMS?

Mit einer Beihilfe zur Deckung des Lebensunterhaltes und den Fahrtkosten hin und retour, in täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Intervallen, wird dir eine Zuwendung zum lebensnotwendigen Auskommen ermöglicht. Außerdem gibt es Zuschüsse für Unterkunft und Verpflegung.

Ausnahmen bei der Arbeitgebersuche

Bei wem das Arbeitstraining schlussendlich erfolgt, liegt im Großen und Ganzen bei dir selbst. Allerdings nennt das AMS Unternehmen, bei denen kein Arbeitstraining stattfinden kann.

Als solche wäre beispielsweise das AMS selbst anzuführen. Aber auch politische Parteien, Clubs politischer Parteien, radikale Vereine oder Unternehmen mit einem Arbeitserprobungs – und/oder einem Arbeitstrainingsverbot sowie Unternehmen, bei denen ein Konkursverfahren anhängig ist oder der Konkurs mangels Vermögen abgelehnt wurde, sind von den Maßnahmen ausgeschlossen. Das selbe gilt auch für Unternehmen im Ausland.

Allerdings gibt es Regionen, für die Sonderregelungen gelten. Hier ist es auf jeden Fall ratsam, mit deinem zuständigen Betreuer in Kontakt zu treten, um eine mögliche individuelle Lösung zu finden.

Inwiefern sich der Mehrwert und die Nachhaltigkeit dieser Förderung von Arbeitssuchenden, bewahrheitet wird sich noch zeigen. In jedem Fall, bietet das Arbeitstraining oder auch Beihilfe für Arbeitserprobung, eine willkommene Alternative zu bisherigen Arbeitsmarktmaßnahmen. Das AMS hat auf Veränderungen in den Arbeitswelten reagiert. Es liegt nun an den Arbeitswelten, ob sie die Maßnahme annehmen können.

Fotocredit: flickr CC © dedljiv

Vielen lieben Dank für den spitzen Artikel, Christina!

Hast Du noch weitere Fragen an Christina dazu?

Hinterlasse sie in den Kommentaren, sie wird Dir liebend gerne darin antworten!

Vergiss anbei auch nicht, bei ihrem persönlichen Blog, „Catch of the Day“ vorbeizuschauen 🙂

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About the Author:

Christina Seitz, wohnhaft in Wien/Österreich. Bachelor in Politikwissenschaft und Master in Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Als freie Journalistin schreibe ich momentan für mokant.at und auf meinem eigenen Blog „catch of the day“ (https://catchofthedaysite.wordpress.com) Reisen, Kulinarik und Texten sind meine Leidenschaften, bin auf der Suche nach einer Festanstellung die diese Dinge unter einen Hut bringt.

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